Rhino Camp Settlement 21.09.

11:37



Straßen, die ich nie als Straße erkannt hätte. Menschen die fünf Kilo Säcke Soghun und Kanister gefüllt mit Wasser auf ihren Köpfen, Fahrrädern und Motorrädern transportieren. Und immer wieder kleine Siedlungen, einzelne Häuschen im Mitten einer Landschaft, die sich nicht zwischen Wüste und Wald entscheiden kann.  

Der Fahrer hat ein ordentliches Tempo drauf, die Männer im hinteren Teil des Wagens unterhalten sich laut in Lugbara, ich versteh kein Wort. Mitten auf der Straße liegt ein halber LKW, die zweite Hälfte sehen wir hinter der Kurve liegen. Immer weiter fahren wir auf der Strecke, ich bin froh, als wir nach über einer Stunde im ersten Dorf ankommen. Als ich aussteige kommen die üblichen "Muzungu, Muzungu!" Rufe, ich werde zu einem Stuhl geführt irgendjemand holt einen Hocker für mich.
Gemeinsam mit einem regionalen Radiosender wird regelmäßig ein Dialog ermöglicht, heute geht es um das Thema Schule. Die Bewohner von Simbili stören sich daran, dass die Grundschule 3 km entfernt ist und es dort kein Essen gibt, ein Mitarbeiter der NGO Windle Trust die dafür zuständig ist erklärt, dass es in Uganda gesetzlich vorgeschrieben ist das die Schule im Umfeld von 4 km liegen muss, darum sind die 3 km Weg in Ordnung. Und Essen gäbe es in Uganda sowieso nur in Schulen in der Karamoja Region, sie sollen den Kindern doch bitte Essen mitgeben. Nicht alle haben Verständnis für diese Aussagen, aber es wird akzeptiert. Auch zu hohe Schulgelder und die Schwierigkeiten eine Secondary School zu besuchen kommen zur Sprache, ein Mitarbeiter des Büro vom Primaminister antwortet. Nach etwas über einer Stunde sind wir fertig, ein Mitglied des Dorfes steht auf und fragt nach meinem Namen. Es wird zusammengeräumt, einige Kinder folgen mir mit Abstand. Ältere Frauen kommen zu mir, schütteln meine Hand und fragen auf Lugbara wie es mir geht. Sie strahlen als ich die einzigen beiden Wörter Lugbara anwende die ich kann, "Ma Muke, Awodifo".
Inzwischen ist es Mittag, wir setzen uns ins Auto. Es geht weiter zum nächsten Dorf.
Moseka Missiana war eine der Teilnehmerinnen des Radio Dialoge, sie erzählte mir das sie aus dem Kongo stammt und fragte ob sie mich fotografieren darf.

Ocea B liegt direkt am Zentrum des Rhino Camp Settlement, allein aus dem Süd Sudan beläuft sich die Zahl der dort lebenden Flüchtlinge auf Rund 40.000. Als wir ankommen befinden sich fast ausschließlich Kinder in der Siedlung, es wurde noch nichts aufgebaut und unsere Kontaktperson nicht zu erreichen. Kurzerhand gehen mein Kollege und ich auf Suche, schnell finden wir eine junge Frau die Englisch spricht und uns nach Ocea A schickt, die Siedlung auf der anderen Straßenseite. Am Versammlungspunkt dort trifft mein Kollege einen Jungen, der weiß wo unsere Kontaktperson ist, er macht sich auf den Weg um ihn zu holen. In der Zwischenzeit gehen wir Mittagessen, hinter einer kleinen Lehmhütte kochen einige Frauen Essen in unglaublichen Mengen. An einem Tisch sitzen Mitarbeiter verschiedenster NGO's und Ministerien. Wir setzen uns dazu, es gibt Reis und Süßkartoffeln. Als wir nach dem Essen zurück zum Versammlungsplatz kommen wurden Stühle aufgebaut, es sind einige Erwachsene da, überwiegend Männer. Außerdem sind überall Kinder. Wie eigentlich immer. Jemand erklärt uns das es heute Lebensmittel gibt, darum währen die meisten die alt genug sind bei der Ausgabe und könnten nicht kommen. Die Lebensmittelausgabe ist auch das Thema für die Diskussion. 
Es wird sich über die Menge beschwert, darüber das es kein Öl mehr gibt sondern nur noch Soghun und Bohnen. Außerdem scheinen einige keine Lebensmittel zu erhalten, sie sagen es läge daran das ihre Namen nicht auf den Listen stehen. 
Der Mitarbeiter des Büro vom Prime Minister erklärt, dass es dieses Jahr mehr Flüchtlinge gekommen sind als erwartet wurden, dass die Lebensmittel bis Dezember für alle reichen müssen. Er führt weiter aus das auch in der Regionalen Bevölkerung viele nicht genug haben. Er erfährt kein Verständnis. Die Menschen haben Hunger. Nach einer Stunde ist es auch hier vorbei. Keine der beiden Seiten ist richtig zufrieden. Die Kinder fragen ob ich sie fotografieren kann, ich mache Fotos alle posen. Eine Frau kommt auf mich zu, fragt ob sie ein Foto von mir machen darf. Wir fotografieren uns gegenseitig. Sie entschuldigt sich für ihr schlechtes Englisch, das aber genauso ist wie das aller, und berichtet das sie aus dem Kongo stammt und zeigt mir ihre Kinder. 
Wir sitzen wieder im Auto. Zwei Stunden geht es über die Buckelpiste zurück, ich bin müde und lass mir den Tag nochmal durch den Kopf gehen. Erinnere mich an die Häuser aus weißen Planen und die Menschenmasse an der Lebensmittelausgabe. Die Straße wird immer leerer je weiter wir uns vom Zentrum des Camps entfernen. 

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